Ungleichverteilung von Ressourcen: Die Erklärung der Nahrungsmittelkrise

Ungleichverteilung von Ressourcen: Die Erklärung der Nahrungsmittelkrise

Eines der augenfälligsten Beispiele für die Ungleichverteilung von Ressourcen ist das Bestehen von chronischem Hunger in einigen Teilen der Welt. Insbesondere für Kinder kann Hunger tödlich enden oder schwerwiegende Folgen mit sich bringen. Daher ist eines der Entwicklungsziele in diesem Jahrtausend, schwere und mäßige Unterernährung bei Kindern unter fünf Jahren um die Hälfte zu reduzieren.

Hintergrund

Trotz einiger Erfolge bei der Bekämpfung des weltweiten Hungers innerhalb des letzten Jahrzehnts leiden immer noch 150 Millionen Kinder an Unterernährung. Von diesen stammen über die Hälfte aus Südasien und ein großer Teil aus Afrika.
Nach wie vor ist Unterernährung eine der Hauptursachen für die weltweite Kindersterblichkeit.

Wachsender Hunger

Seit Ende der 70er Jahre ist die Anzahl hungernder Menschen stetig zurückgegangen. Allerdings ist seit 2004 eine allgemeine Zunahme des Hungers zu verzeichnen. Diese Entwicklung wurde durch die Wirtschaftskrise und steigende Lebensmittelpreise verstärkt.

Im Jahr 2008 führte dies zu einer weltweiten Nahrungsmittelpreiskrise, wodurch es zu Aufständen und Unruhen in vielen Entwicklungsländern kam. Als die Krise nachließ, fielen die Nahrungsmittelpreise mehrere Jahre lang. Im Januar 2011 erreichten die globalen Nahrungsmittelpreise nach Angaben der FAO jedoch den höchsten Stand überhaupt.

Ungleichverteilung der Ressourcen

Der jüngste Preisschub ist ein weiteres Zeichen für die Ungleichverteilung der Ressourcen auf der Erde. Es ist unwahrscheinlich, dass die Menschen in reichen Ländern während der Nahrungsmittelkrise an Hunger leiden werden, da sie lediglich einen relativ kleinen Teil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben.

haiti-food-un-sophia-paris-300x200Im Gegensatz dazu benötigen viele Familien in armen Ländern bis zu 80 % ihres Einkommens für Lebensmittel. Wenn die Preise bestimmter Lebensmittel sich verdoppeln, werden diese Familien nicht mehr in der Lage sein Nahrung zu kaufen.

Ursachen für höhere Lebensmittelpreise

Klimawandel

Die Gründe für den Anstieg der Nahrungsmittelpreise sind vielschichtig. Am häufigsten werden Ernteausfälle und der Klimawandel damit in Verbindung gebracht.

Infolge des Klimawandels eignen sich einige Regionen immer weniger für Landwirtschaft. Dies führt zu Hunger auf lokaler Ebene und kann schwerwiegende Auswirkungen auf die Weltmarktpreise haben. Auch werden die schnell wachsende Weltbevölkerung und der steigende Bedarf an Lebensmitteln als bedenklich eingestuft. Da die Erdbevölkerung bis 2050 voraussichtlich auf 9 Milliarden angewachsen sein wird, wird es zunehmend schwieriger, alle Menschen der Welt zu ernähren.

Die wachsende Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten

Viele Experten vertreten dennoch die Meinung, dass es noch genügend Nahrung für alle gibt. Ihnen zufolge gibt es andere Gründe für die aktuellen Nahrungsmittelpreise und die Zunahme des Hungers.

Ein wichtiger Grund ist die wachsende Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten, die mit dem zunehmenden Wohlstand in einigen Teilen der Welt einhergeht. Die Produktion dieser tierischen Nahrungsmittel erfordert große Mengen an Getreide zum Füttern der Tiere. Durch die gestiegene Nachfrage ist Getreide für viele Bewohner armer Länder zu teuer.

Auch die aktuelle Nachfrage nach Biokraftstoffen zehrt einen wachsenden Prozentsatz des weltweit geernteten Getreides auf, was sich ebenfalls erheblich auf die Preise auswirkt.

Finanzspekulationen und Ölpreis

Ein weiterer wichtiger Grund für die steigenden Lebensmittelpreise sind Finanzspekulationen. Dies war der Fall während der Nahrungsmittelkrise 2008 und wird erneut erwartet. Hohe Preise sind vorteilhaft für Händler, die große Anteile an Nahrungsmitteln halten. Für einige Familien mit Kindern, die einen großen Teil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben, wird es jedoch unmöglich diese zu kaufen.

Weiterhin trägt der höhere Ölpreis zur Krise der Lebensmittelpreise bei. Öl ist einer der wichtigsten Bestandteile von Handelsdünger, aber auch für den Transport werden in der Landwirtschaft große Mengen an Öl benötigt. Durch die schwindenden Ölvorräte und das Ende der Wirtschaftskrise werden die Ölpreise wahrscheinlich noch mehr steigen.

Konsequenzen

Während der Nahrungsmittelkrise 2008 verursachten die steigenden Nahrungsmittelpreise bereits Hungerrevolten in mehreren Entwicklungsländern. Viele Berichterstatter schreiben auch die Unruhen im Nahen Osten 2011 zumindest teilweise den hohen Nahrungsmittelpreisen zu. Zweifelsohne forderten die Menschen in diesen Regionen mehr Demokratie, doch wurde die allgemeine Unzufriedenheit auch von den Schwierigkeiten vieler armer Menschen, sich Grundnahrungsmittel leisten zu können, unmittelbar angeheizt.

Während also in einigen Ländern das Ziel, die Unterernährung zu verringern, bis 2015 erreicht sein wird, ist dennoch mit einer allgemeinen Verschlechterung der weltweiten Nahrungssituation zu rechnen. Wenn Regierungen und internationale Organisationen nicht entschiedene Maßnahmen gegen die steigenden Preise und die strukturelle Ungleichverteilung von Nahrungsmitteln ergreifen, wird Unterernährung ein noch größeres Problem werden. Die ärmsten Menschen in den Entwicklungsländern – insbesondere Kinder als besonders gefährdete Gruppe – werden höchstwahrscheinlich die Hauptlast der Nahrungsmittelkrise tragen. Letztendlich wird dies zu Unruhen und Instabilität führen, was auch Auswirkungen auf die westliche Welt haben wird.

Fazit

Um diesen Entwicklungen zu begegnen, ist eine bessere Regulierung auf dem Weltmarkt für Lebensmittel nötig. Westliche Länder sollten durch stärkere Regulierung eine bessere Kontrolle über Finanzspekulationen gewinnen.

Es ist des Weiteren von größter Bedeutung, dass nachhaltige Energiealternativen gefunden werden. Ein geringerer Konsum von tierischen Eiweißen wäre ebenfalls von Vorteil für die Nahrungssituation.

Die Frage ist, ob die Veränderungen rechtzeitig durchgeführt werden, um eine Nahrungsmittelkrise abzuwenden. Fest steht, dass die Ungleichverteilung der Ressourcen viele weitere Opfer hervorbringen wird, wenn wir den eingeschlagenen Pfad beibehalten.